Barocke Leichenreden im Familienarchiv
1729
1. „Dreyfaches Castrum doloris, oder: Trauer-Gerüste Dreyen Hohen Leichen in dem Hoch-Adelichen Hause derer Hoch-Wohl-Gebohrnen Herrn von Oertzen, zu Roggau und Gerdeshagen...
(in 3 Ex. vorhanden, historischer Einband)
für Barbara Sophia, geb. von der Lühen (Witwe von Jochim) = Stand-Rede
für Jaspar von Oertzen (gest. 1728), Ihro Königl. Majestät zu Dänemark, Norwegen hochbestallter Obrist-Leutnant, Erbherr auf Roggow und Wackendorff, Sohn von Jochen von Oertzen und Charlotta von Erskin (=Abdankungs-Rede)
und
für Susanna Francina von Oertzen geb. v. Bülow, Ehefrau von Helmuth Friedrich von Oertzen (gest. 1729) (verheiratet 1702, wohnten erst 5 Jahre auf Vogelsang, 1709 Übernahme von Gerdeshagen, Kinder Sophia Charlotta 1704, Jochim Warner 1706, Eva Susanna 1708, Margareta Oelgardt 1709, Joachim 1710 (+), Otto Didrich 1714, Maria Elisabeth 1716, Jasper...1717 mußten alle wegen der „Moscoviter-Plage“ von ihren Gütern flüchten zu den Schwiegereltern nach Gudow, 1719 zurück... weitere Kinder...)
(=Abdankungs-Rede)
alle in Russow begraben.
Inkl. Kantaten, gesungen beim Begräbnis,
detaillierter Lebensläufe samt Aufzählung sämtlicher Vorfahren und Nachkommen der Verstorbenen
weitere Trauergedichte der Kinder
Trostschreiben des Herrn Pastoris Donner zu Gudow
die Grabinschrift
Inhaltsverzeichnis
2. für Jochim von Oertzen (1624-1707) (Sohn von Jasper und Eva v. Pentz, Vater von Jasper und Helmuth Friedrich)
(in 3 Ex. vorhanden, einmal ohne Einband, nur Fadenheftung)
(Pappeinband des 19. Jahrhunderts, Vorreden und Inhaltsverzeichnis etc. fehlen, Seiten z. T. noch nicht aufgeschnitten)
Ehren-Gedächtnis = Biographie, (inkl. Aufzählung sämtlicher Vorfahren und Geschwister nebst Ehegatten). Jurastudium in Rostock, Studienreise nach Holland und Frankreich, 10 Monate an der Académie Royale in Paris, dort lernte er Fechten, Tanzen, Reiten. 1665 über Straßburg und das Rheinland zurück. Wollte dann eigentlich Kammerjunker am dänischen Hof werden, aber Mutter hielt ihn zuhause zurück... Hochzeit mit Charlotta Beata von Erskin, Kinder, sie stirbt, er will weg von Roggow, nimmt am Krieg Holland gegen Frankreich erfolgreich teil, muss aber doch seine drei Halbwaisen erziehen, kehrt zurück, heiratet die Witwe Barbara Sophia von der Lühe, mit ihr keine Kinder mehr, aber sehr harmonische, 31 Jahre währende Verbindung bis zu seinem Tod, später öfter nach Bad Pyrmont zum Gesundbrunnen, im Alter nach Rostock in eine bequeme Wohnung, wird da aber nach wenigen Tragen krank und läßt sich „mit allerhöchstem Gesehne und Verlangen“ wieder nach Roggow bringen, die Kinder kommen aus Kopenhagen, man schickt nach dem Doktor nach Lübeck, 6 Wochen krank..., dann Tod). Sein Wahlspruch: Alterius non sit, qui suus esse potest (Wer sein eigener Herr sein kann, soll nicht der Knecht eines anderen sein, übrigens das Motto des Paracelsus, KM), und „in einem Mittelstande und Mediocrité sein eigen zu sein“...
3. für Helmuth Friederich, Landrat, 1673-1755
(verh. mit Maria Elisabeth, geb. v. Bülow)
inkl. detaillierter Biographie, Trostschreiben... etc.
und
für Otto Dieterich, mittelster Sohn des Helmuth Friedrich, gest. in seinem 24sten Jahre 10.9.1737 in Hassan Bassa-Palanka (Serbien), „in dem gegenwärtigen Türken-Kriege, bey der Kaiserlichen Haupt-Armee in Hungarn